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Edina Müller ist Hamburgs Sportlerin des Jahres

Paralympics-Siegerin im Rollstuhlbasketball sowie im Einer-Kajak und jetzt auch Sportlerin des Jahres – es läuft bei Edina Müller. Wir haben die Athletin für unser Sozialkontor-Magazin interviewt.

Frau Müller, Sie sind erfolgreiche Profisportlerin und spielten vor Ihrer Zeit als Kanutin viele Jahre Basketball – mit einigen Medaillen für das deutsche Damenteam. Wie war ihr sportlicher Werdegang?

Ich komme aus einer sportbegeisterten Familie. Wir haben ganz wenig ferngesehen. Aber wenn Olympia gezeigt wurde, haben meine Mutter und ich es uns gemütlich gemacht und die Spiele bis nachts verfolgt. Ballett, Judo, Volleyball – als Kind habe ich viel ausprobiert. Nach meiner Karriere als Basketballerin wollte ich mir ein sportliches Hobby zulegen. Das Kanufahren hat mich begeistert und durch Zufall bin ich ins Rennkajak gestiegen. Dann kam eins zum anderen. Ich besuchte mit meinem Partner Trainingslager in Slowenien, Venedig und Florida. Die Kombination aus Einzelsport und einer wahnsinnig familiären Atmosphäre im Kanusport hat mich gereizt.


Die Paralympics sind in den Medien viel präsenter als noch vor wenigen Jahren. Was bedeutet das für das Thema Gleichberechtigung?


Viele Menschen können sich nicht vorstellen, wie der paralympische Sport abläuft: Man kann ihn erst erfahren, wenn man ihn sieht. Es hat mir leidgetan für Japan, dass die Spiele ganz ohne Publikum veranstaltet werden mussten. Corona hat uns alle hart getroffen. Zum Glück sind die Spiele so ausführlich übertragen worden. So wird sichtbar, dass es einfach Sport ist. Und er ist so professionell, dass es kaum Unterschiede zu anderen Sportarten gibt. Einige wenige Profis können sogar davon leben.


Was wünschen Sie sich für den Behindertensport?

Mehr Vereine sollten ihre Tore ganz offiziell für den Behindertensport öff nen. Inklusion findet schon die ganze Zeit statt, aber Behindertensport ist mit einem Stigma belegt. Man kann Veränderung in Gang bringen, wenn man die Menschen, die es betrifft, mit einbezieht. Auch wir Menschen mit Behinderung müssen mehr in Positionen kommen, in denen wir entscheiden und die diverse Gesellschaft mitgestalten können: in Verbänden und Vereinen. Das gilt nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Frauen. Denn die Strukturen sind meistens weder barrierefrei noch familienfreundlich: Die Entscheidungsträger sind Männer. Es fehlen einfach Frauen in diesen
Positionen.

 

Edina Müller gewann bei den Paralympics in Tokyo die Goldmedaille als Para-Kanutin, wenige Wochen später Silber bei der Weltmeisterschaft in Kopenhagen. Frau Müller arbeitet als Sporttherapeutin und hat einen zweijährigen Sohn.

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