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Interview

„Es war immer eine wertschätzende Zusammenarbeit“

Andreas, wie lange arbeitest Du schon im Sozialkontor?

Angefangen habe ich 1982, das war mein Anerkennungsjahr als Physiotherapeut. Früher musste man nach dem Staatsexamen ein Anerkennungsjahr machen, das habe ich im Senator-Neumann-Haus gemacht – damals hieß es noch „Heim“. Ich war ja im UKE, dort wurden Therapeuten ausgebildet und das SNH hatte einen guten Ruf. Alle wollten da hin. Prof. Fritsch war die ärztliche Leitung im SNH und auch für die Therapie und Pflege zuständig. „Mutter Fritsch“ haben wir sie immer genannt und es lief alles unter ihrer „Regentschaft“.

Nach ein paar Jahren wurde ich dann stellvertretende Leitung der Physiotherapie unter Herrn Dunze, meinem damaligen Chef.

2004 gab es eine große Veränderung: Wir fielen aus dem kostendeckenden Pflegesatz. Das Geld für den therapeutischen Bereich kam nicht mehr von der Behörde und so wurden wir schnell eine selbständige Praxis. Während dieser Zeit leitete ich drei Jahre lang, gemeinsam mit Angelika von Guggenberg, die Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie. Sie für das Haus am Eilberg, ich für das SNH. 2007 wurde das Therapiezentrum Nord geschaffen. Als Leitung wurde Ulf Dikof gefunden, der auch den Olympiastützpunkt Hamburg betrieb und der einige Jahre bis 2011 das Ganze auf Praxisbetrieb „getrimmt“ hat. Von ihm übernahm ich schließlich die Gesamtleitung des Therapiezentrums.

Die letzten vier Jahre, von 2020 bis 2024, leitete ich den neu geründeten Geschäftsbereich Therapie. Ich habe also viele Veränderungen mitgemacht.

Biografie

Nach zwei Semestern Lehramtstudium Deutsch, Geschichte und Sport begann Andreas Fischer 1979 seine Physiotherapie-Ausbildung am UKE. Direkt im Anschluss kam er im Februar 1982 ins Senator-Neumann-Haus, um dort nach dem Staatsexamen sein Anerkennungsjahr zu machen. Dort gefiel es ihm so gut, dass er bis heute beim Sozialkontor blieb.

Von 2004 bis 2007 leitete er zusammen mit Angelika von Guggenberg die Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie sowohl für das Haus am Eilberg als auch für das SNH. Im Jahr 2007 entstand das Therapiezentrum Nord unter der Leitung von Ulf Dikof. 2011 übernahm Andreas Fischer dann die alleinige Leitung des Therapiezentrums im SNH und im Haus am Eilberg und organisierte den Praxisumzug ins Haus Beerboom. Von 2020 bis 2024 leitete er den neu entstandenen Geschäftsbereich Therapie des Sozialkontors.

Neben seiner Arbeit gibt er Seminare zum Thema Heben und Tragen für FSJler und Pflegekräfte und unterrichtet seit über 35 Jahren Präventionsangebote im Sportverein.

Was wolltest Du denn als Kind werden?

Ich bin 1979 in die Therapieausbildung gegangen, direkt aus dem Lehreramtsstudium Deutsch, Geschichte und Sport. Das hatte ich eigentlich „nur“ angefangen, weil mir das Unterrichten zwar Spaß machte, ich aber eigentlich in der Warteschleife für ein Medizinstudium war. Nach zwei Semestern habe ich mir aber überlegt, Physiotherapie zu machen, weil ich direkt mit Menschen arbeiten wollte. Beim UKE habe ich dann auch sofort einen Platz bekommen. Ich hatte Glück, die Ausbildung war damals sehr beliebt. Diesen Schritt habe ich nie bereut, auch wenn sich so manches seitdem verändert hat.
 

Wie bist Du zum Sozialkontor gekommen?

Auf Empfehlung der Neurologie-Lehrkräfte am UKE. Auch schon damals hatten wir einen guten Ruf.
 

Was hat Deine Arbeit besonders geprägt?

Ich habe immer gern Verantwortung übernommen. Ich habe auch gern als Therapeut gearbeitet, aber ich wollte immer gern selbstverantwortlich tätig sein und eigene Ideen entwickeln. Zu meinem Klienten*innen hatte ich immer ein sehr gutes Verhältnis, weil ich hinter den Patient*innen auch immer den Menschen sehen wollte. Trotzdem gibt es dabei natürlich immer die Herausforderung, sich abzugrenzen.

Erinnerst Du einen besonderen Moment bei Deiner Arbeit?

Anfangs hatten wir einen großen Betriebssportbereich für die Klient*innen. Wir hatten zwei eigene (Unternehmens-) Pferde und sind in Bargteheide reiten gegangen. Außerdem bin ich regelmäßig einmal die Woche zum Bogenschießen gefahren. Das hat viel Spaß gemacht und war ein großes Kapitel.

In den heutigen Räumen der Ergotherapie war früher eine Handelsschule. Zum Beispiel konnten Menschen mit einer Querschnittslähmung  dort  auch ihr Abitur machen, um später zu studieren. Diese Berufswege mitzuverfolgen, hat mich immer sehr gefreut. Glücklicherweise gibt es heute andere barrierefreie Möglichkeiten der Ausbildung.

In der Therapie waren die Erfolge eher auf langfristige Ziele angelegt. Das ist etwas anderes, als schnelle Therapieerfolge direkt nach dem Krankenhausaufenthalt. Aber es heißt, dass unser Gehirn ein Leben lang lernt und das habe ich auch genauso erlebt, wenn Nutzer*innen auch nach Jahren plötzlich noch tolle Fortschritte gemacht haben. Das war für mich besonders befriedigend, wenn manchmal Menschen vom „System“ eigentlich aufgegeben waren.

Gibt es etwas, was Dich besonders antreibt?

Die Ganzheitlichkeit. Die Komplexität der Angebote gibt es anderswo gar nicht, das zeichnet uns aus. Alles unter einem Dach zu haben, ist ein Wettbewerbsvorteil. Ein solch komplexes und vernetztes Angebot wird aus meiner Sicht auch in der Zukunft für Menschen mit umfangreichen Handicaps unverzichtbar sein.
 

Was ist Dir wichtig im Job?

Ich wäre wahrscheinlich nicht so lange geblieben, wenn ich das Klima nicht als so angenehm empfunden hätte. Es war immer eine wertschätzende Zusammenarbeit, auf allen Ebenen.
 

Gibt es etwas, das Du gar nicht magst?

Nein, das gibt es nicht, das kann ich wirklich nicht sagen.

Was machst Du, wenn Du nicht arbeitest?

Diese Frage stelle ich mir selbst auch häufiger (lacht). Aber in meiner freien Zeit gebe ich weiterhin Seminare, zum Beispiel für rückenschonendes Arbeiten für die FSJ-ler im Elsa Brandström Haus. Außerdem unterrichte ich seit über 35 Jahren Rückenschule und Präventionsangebote im Sportverein.

Ich möchte mehr Sport treiben und freue mich darauf, Herr über meine Zeit zu sein und mehr davon mit meiner Frau, unserem 13-jährigen Sohn und unserer 19-jährigen Tochter, die gerade ausgezogen ist, zu verbringen. Natürlich gibt es da auch noch unsere Labradorhündin Luna, die mich motiviert, mich mehr an der frischen Luft zu bewegen.

Ganz früher bin ich Motorrad gefahren und ich überlege, dieses Hobby wieder zu aktivieren, um wieder, jetzt aber quasi als wilder „Opi“ allein, zu zweit oder in der Gruppe auf zwei Rädern unterwegs zu sein.

Hast Du weitere Pläne?

Jetzt gehe ich ja aus der Geschäftsbereichsleitung raus und biete ab April Kolleg*innen an, sich 1:1 von mir zum Thema Rückencoaching mit  Übungen speziell für den eigenen Arbeitsplatz ihren Rücken fit zu halten. Für mich heißt das: „Back to the roots“ und darauf freue ich mich schon. Ich finde es toll vom Sozialkontor, dass man sagt: „Das ist es uns für unsere Mitarbeitenden wert“, denn das Angebot kann innerhalb der regulären Arbeitszeit genutzt werden.

Vielen Dank, Andreas, und schön, dass einige von uns Dich noch weiter sehen werden!