Zum Hauptinhalt springen
Logo: Sozialkontor Hamburg - Zur Startseite

mw

Immer in Bewegung

Michael Wild (56) ist seit August Mitglied der Geschäftsleitung des Sozialkontors. Dort leitet er die Strategie- und Organisationsentwicklung. Im Interview verrät er, welchen Berufswunsch er nach der Schule hatte, warum heute die lernende Organisation sein Credo ist – und was er am norddeutschen Wetter schätzt. 

Michael, Du arbeitest jetzt 20 Jahre beim Sozialkontor. Wolltest Du schon als Kind dahin?

Ich wollte NICHT als Kind schon ins Sozialkontor! (lacht) Ich hätte auch nie gedacht, dass ich in der Eingliederungshilfe lande, ich habe vorher im Hospizbereich und in der Wohnungslosenhilfe gearbeitet. Es fühlt sich für mich auch nicht so an. Ich bin jetzt 20 Jahre da, aber ich war dabei immer in Bewegung. Oft habe ich gedacht: Ich bleibe hier höchstens noch ein Jahr, weil ich immer an Veränderung interessiert war. Das Schöne ist: Ich habe die Veränderung immer im Sozialkontor gefunden. Entweder habe ich sie mir gesucht, aber meistens stand sie mitten auf dem Weg und war einfach dran. Zum Beispiel galt es, jemanden zu vertreten. Oder es gab irgendwelche Themen, von denen keiner etwas wusste. Mein Glück war, dass ich immer Vorgesetzte hatte, die mir was zugetraut haben und gesagt haben: „Mach mal“. In der Regel habe ich angefangen und hatte keinen blassen Schimmer, wie man dieses Thema jetzt lösen soll. Gerettet hat mich immer, dass ich ganz gut Menschen vernetzen konnte, die in Interaktion die Lösung geboren haben. Die Lösung kam also gar nicht von mir, sondern die Entwicklung entstand durch die Interaktion von Menschen. Daran hatte ich immer Spaß. Das hat mich dann irgendwann in diesen Bereich gebracht.

Und was wolltest Du als Kind werden?

Ich kann Dir sagen, was ich nach der Schule wollte. Ich habe Wirtschaftsabitur gemacht und wollte BWL studieren. Und dann habe ich Zivildienst gemacht. Das hat mich in eine intensive Interaktion gebracht. Ich war immer Grenzgänger zwischen Ökonomie und Sozialwesen. Mich hat stets die Schnittstelle interessiert.

Welche Erfahrungen aus Deinen vorigen Stationen helfen dir bei deiner Arbeit als Mitglied der Geschäftsleitung?  

Es gab immer wieder Herausforderungen, die mich an meine eigenen Grenzen gebracht haben. Ich habe wirklich nicht jede Herausforderung mit Bravour bestanden, aber ich habe versucht, aus allem zu lernen. Deswegen ist mein Credo der lernende Mensch und die lernende Organisation.

Gibt es etwas, was Dich besonders antreibt?

Wir sind alle immer im Lernprozess. Jede*r einzeln, aber auch wir als Unternehmen. Wir brauchen dafür gute Strukturen und Prozesse. Und wir brauchen Menschen, die über die Strukturen hinausdenken und sie mitgestalten wollen. In diesem Sinne freue ich mich darauf, das Sozialkontor in meiner neuen Position weiter aktiv mitzugestalten.

Biografie

Michael Wild startete vor 20 Jahren im Sozialkontor als Leitung des Haus Eckel, wechselte 2009 als Leitung zum Haus Trillup und übernahm 2016 die Bereichsleitung Nord des Sozialkontors. 2019 war er außerdem mit der Umstellung durch das BTHG beauftragt und wurde anschließend zunächst Referent und dann Mitglied der Geschäftsführung.

Michael Wild ist Sozialarbeiter mit Weiterbildungen unter anderem als Geschäftsmodellentwickler, Digital Transformation Manager, Business und Development Manager und hat neben seiner Arbeit in weiteren Häusern wie dem Hilda Heinemann Haus darüber hinaus diverse Change-Prozesse, wie den Übergang des Haus Trillup in neue Wohnangebote sowie die Neustrukturierung in Teilhabezentren des Sozialkontors in Buchholz, Berne und Harburg initiiert und gesteuert.

Was wird sich mit Dir als neuem Geschäftsleitungsmitglied ändern?

Die Rolle ist neu und trotzdem mache ich ja nichts völlig anderes. Ich würde sagen, dass der Blick auf Schnittstellen und gute Prozesse geschärft und in seiner Bedeutung gestärkt wird. Herr Nernheim hat damit das Signal gegeben, dass neben Personal und Finanzen auch Entwicklungs- und Prozessthemen sehr bedeutsam sind.

Was ist Dir dabei wichtig?

Wichtig sind für mich Beteiligung, Transparenz und ein guter Spirit: Wofür machen wir das eigentlich, was ist der Kern unseres Tuns? Die Antwort sollte immer „gute Dienstleistungen für die Nutzer*innen“ lauten. „Was kommt bei denen an?“ – das ist die entscheidende Frage jeglicher Unternehmensentwicklung.

Ich freue mich, dass ich so viele tolle Kolleg*innen auf meinem Weg im Sozialkontor kennenlernen durfte. Denn Entwicklung findet nur in Interaktion und mit Sparringspartner*innen statt. Wir haben so viele tolle Talente und engagierte Kolleg*innen.

Themen zu sehen und Personen zu erkennen, die diese übernehmen können, das ist es, wie ich mir eine soziale Organisation vorstelle. So kommen wir zur Entwicklung von Personen und darüber auch zur Entwicklung der Organisation. Das ist eigentlich mein Steckenpferd.

Was bedeutet lebenslanges Lernen für Dich konkret?

Im Sozialkontor können berufliche Lebensläufe entstehen. Ich hatte selbst immer Vorgesetzte, die mir das Vertrauen für übergreifende Aufgaben geschenkt haben. Und so verstehe ich auch meine Rolle für andere Beschäftigte: Wir fördern die Entwicklung von Menschen. Sowohl von neuen Mitarbeitenden, als auch von denjenigen, die schon länger dabei sind.

Es braucht immer eine gute Mischung: erfahrene Kolleg*innen, die schon lange dabei sind, aber auch neue Kolleg*innen, die ganz andere Blickwinkel mitbringen.

Gibt es etwas, dass Du gar nicht magst?

Man kann gern total gegenteiliger Meinung sein, aber für mich wird es schwierig, wenn die Kommunikation nicht mehr wertschätzend läuft, sondern abwertend oder überheblich.

Und was machst Du, wenn Du nicht arbeitest?

Ich habe einen Schrebergarten als Rückzugsort, in dem ich gern Zeit verbringe. Und Reisen ist etwas, das ich gern plane und mache und wo ich viel draus ziehe.

Hamburg ist Deine Wahlheimat. Wo bist Du aufgewachsen?

Ich bin so richtig von der Schweizer Grenze. Ich kann die Mundart Alemannisch so sprechen, dass mich keiner von Euch versteht. Einmal rief mein Bruder an und ich dachte sofort: Es ist was mit meinen Eltern und redete los. Eine Kollegin stand daneben und guckte mich an als wäre ich ein UFO aus dem All. Die Norddeutschen verstehen mich nicht.

Vermisst Du den Süden nicht manchmal?

Das Wetter ist da objektiv schöner, es ist auch objektiv wärmer und sonniger. Mir ist es immer zu heiß, zu stickig, zu viele Pollen. Wenn es nicht grad regnet, finde ich den norddeutschen Sommer den schönsten der ganzen Welt.

Wie lange bist Du schon in Hamburg und wo gefällt es Dir in der Hansestadt am besten?

Ich liebe tatsächlich den Eilbekkanal. Dort laufe ich auch. Er ist nicht so überlaufen wie die Alster, unspektakulär und dicht an meinem Wohnort.