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Jessica Reichstein (47) begann im Juni 2020 im Sozialkontor als erste Geschäftsbereichsleitung Teilhabe mit Assistenz und Sozialpsychiatrie. Am 20. Juni 2024 hat sie nun ihren letzten Arbeitstag beim Sozialkontor. Wohin es sie verschlägt, hat sie Valena Momsen in einem Interview verraten:

Jessica, wie sahen Deine Schwerpunkte beim Sozialkontor aus?

Ich habe im Juni 2020 begonnen, mitten in der Corona-Zeit. Ich habe in den letzten vier Jahren den Umzug vom Haus Trillup in das Tarpenbeker Ufer begleitet, sowohl baulich, als auch konzeptuell – und natürlich auch die Mitarbeitenden. Das Wohnen mit Assistenz Saselberg und auch der Baakenhafen wurden unter meiner Federführung abgeschlossen. Das waren die größten Veränderungen für die Häuser.
Daneben wurde der große Prozess im Hilda Heinemann Haus und W&A Walddörfer zum Sozialkontor Wandsbek weiter umgesetzt, der sich weiter institutionalisieren und mit Leben füllen muss.
Im Treffpunkt West war die Nachbesetzung nicht einfach. Mittlerweile hat der Treffpunkt eine auskömmliche Größe erreicht und ist in Eimsbüttel und Lurup gut vernetzt.

Welche Projekte liegen Dir besonders am Herzen?

Wichtig ist mir das Selbstverständnis, was sozialräumliches Arbeiten ausmacht und wie ich mit den Klient*innen umgehe. Bedarf und Verhalten können im psychiatrischen Bereich sehr wechselhaft sein, daher müssen wir besonders auf die Beziehung und das Kontaktangebot achten. Wir haben am Thema gearbeitet: Wie gehe ich mit Krisen um? Es entstand eine Methodik-Gruppe, eine Multiplikatoren-Gruppe ist installiert. Wir haben den Methodenkoffer für die Ambulante Sozialpsychiatrie angepasst.
Daneben haben wir für ältere Menschen mit geistiger Behinderung die baulichen Gegebenheiten im Hilda Heinemann Haus verändert und bei den Nachbesetzungen der Stellen auf eine pflegerische Qualifikation geachtet.

Was waren – neben dem Sozialkontor natürlich – die wichtigsten Stationen in Deinem Berufsleben?

Meine Zeit als Therapeutin im ehemals psychiatrischen Landeskrankenhaus. Der Aufbau einer psychiatrischen Tagesstätte in Hannover und die Geschäftsführung eines psychosozialen Trägers der Krisenversorgung.

Wie kam es zu Deinem heutigen Schwerpunkt?

Nach dem Wechsel aus der Neurologie bin ich über den Langzeitbereich der Klinik zur Psychiatrie gekommen. Über mein mittlerweile 20-jähriges ehrenamtliches Engagement in der Initiative für soziale Rehabilitation der Deutschen Gesellschaft für Sozialpsychiatrie bin ich der Sozialpsychiatrie verfallen.

Wohin zieht es Dich nun?

In meiner neuen Position als Vorständin eines Sozialpsychiatrischen Trägers erlebe ich eine Kultur des Miteinanders auf Mitarbeiter- wie auf Klienten-Ebene.
Der Träger hat als einer der ersten die Integration von Betroffenen in Bremen vorangetrieben. Das spiegelt sich auch in dem großen sozialpsychiatrischen Fortbildungsprogramm wider. Es ist ein Komplexanbieter in den relevanten Bereichen der ambulanten Sozialpsychiatrie: Betreutes Wohnen, Beteiligung, Suchthilfe, Drogenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, dritter Arbeitsmarkt.

Was treibt Dich besonders an?

Den Menschen, die uns anvertraut sind, ein gutes Gegenüber zu sein. Nicht nur beim Wohnen, sondern auch für Arbeit und Gesundheit, es geht um die Verbindung der unterschiedlichen Sozialgesetzbücher. Ich bin daran interessiert, mehr präventiv zu arbeiten und schneller qualitative Hilfen anzubieten und dabei das soziale Umfeld, also die Angehörigen und das soziale Netzwerk einzubeziehen.

Was möchtest Du den Kolleg*innen noch mit auf den Weg geben?

Das Sozialräumliche Arbeiten im Sozialkontor ist ein Schwerpunkt, der mich immer beeindruckt hat. Mein Wunsch ist, dass hier die Individualität der Personen erhalten bleibt. Menschen sind sehr unterschiedlich. Wir sollten den Teams die Fachlichkeit bieten, die man für diese Individualität braucht.

Ich wünsche mir, dass der Aufbau und Verstätigung über die vor vier Jahren angestoßene Entwicklung der Geschäftsbereiche auf der Leitungsebene sowie die Teilhabezentren weiter voranschreiten. Die strategische Entwicklung muss alle Hierarchiestufen einbeziehen. Ich wünsche weiterhin eine Kultur des wohlwollenden Miteinanders, das heißt mit vielen Möglichkeiten zur unmittelbaren Kommunikation und gemeinschaftlichen Aktivitäten. Ich bin gespannt, wann das Sozialkontor zum „Du“ übergeht.

Gibt es etwas, das Du gar nicht magst?

Ich mag es nicht, Zeit zu verplempern.

Was machst Du, wenn Du nicht arbeitest?

Ich bin gern in der Natur, mache Sport und organisiere die Familie.

Von Hamburg nach Bremen – wird das ein herausfordernder Wechsel für die Kinder?

Nach anfänglicher Rebellion sagen sie: Wenn Dir das so wichtig ist, gehen wir mit. Leicht fällt es Kindern in dem Alter nie. Der Große möchte aber natürlich das Schuljahr noch zu Ende machen.

Gibt es dort schon einen Lieblingsort?

Ich mag den Bürgerpark und den Bremer Ski Club, in dem wir schon seit zehn Jahren Mitglied sind.