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Ich wollte nie wieder in einem Büro arbeiten

Wenn Heinz Renno am 30. April seinen letzten regulären Arbeitstag hat, geht im Sozialkontor eine Ära zu Ende. Im Interview spricht er darüber, was ihn antreibt – und wie er vom Zivildienstleistenden zum Altenpfleger, Betriebsrat, Betriebswirt und schließlich zum Personalleiter wurde.
 

Herr Renno, welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?

Ehrlich gesagt habe ich mich mit Berufswünschen als Jugendlicher nicht beschäftigt. Selbst nach dem Abitur hatte ich keine richtige Vorstellung, was ich eigentlich machen will. Ich habe danach eine Ausbildung als Schifffahrtskaufmann gemacht, aus Verlegenheit, weil ich nichts anderes wusste.

Wie ging es dann weiter?

Ich musste die Ausbildung für den Zivildienst unterbrechen. Im Mai 1977 schlug ich im Senator-Neumann-Haus auf und habe dort 16 Monate in der Pflege gearbeitet.

Damals war das Leben und Arbeiten im SNH bestimmt noch ganz anders. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Wir waren richtig viele Zivildienstleistende, wir stellten etwa 20 Prozent der Mitarbeiter. In meiner Station, der 1, gab es noch Spätdienste zu dritt, alle drei mit Zivis besetzt. Als ich anfing, wurde gerade das letzte Vierbettzimmer aufgelöst. Der Einrichtungsleiter sagte: Irgendwann werden das Doppelzimmer, und dann kommt der Tag, an dem es nur noch Einzelzimmer gibt. Das konnte sich damals kein Mensch vorstellen.

Biografie

Heinz Renno wurde 1957 in Hamburg geboren. Von 1966 bis 1972 lebte er als Kind in Südafrika sowie Namibia und ging dort zur Schule. Nach dem Abitur machte er eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann bei der Hamburger Reederei Hapag Lloyd, stellte aber schnell fest, dass die Arbeit im Büro nicht zu ihm passt. Bei seinem Zivildienst im Senator-Neumann-Haus (SNH) hatte er den sozialen Bereich kennengelernt – und entschied sich für eine zweite Ausbildung in der Pflege.
Von 1979 bis 1994 arbeitete er (mit wenigen Unterbrechungen) im SNH – zuerst als Pflegehelfer, dann als examinierter Altenpfleger und Wohngruppenleitung. Zunächst nebenbei, dann auch freigestellt, engagierte er sich im Betriebsrat, zu dessen Vorsitzenden er 1992 gewählt wurde.
Nach der Umfirmierung in die gGmbH wurde er Wohnbereichsleiter im Haus am Eilberg (Großhansdorf), seit 2008 leitet er das Personal- und Ausbildungswesen des gesamten Sozialkontors.

Wie war es dann, an Ihren alten Ausbildungsplatz zurückzukehren?

Es war ein Kulturschock. Durch die anderen Erlebnisse war meine Wahrnehmung geschärft. Ich hatte den Vergleich: Wie ist dort der personelle Zusammenhalt und wie ist er im Pflegebereich? Das war ein unendlich großer Unterschied.

Warum haben Sie sich dann für den sozialen Bereich entschieden?

Nach Abschluss meiner ersten Ausbildung als Schifffahrtskaufmann wollte ich nie wieder in einem Büro arbeiten. Darum habe ich die Fortbildung des Malteserhilfsdienstes zum Pflegehelfer und später berufsbegleitend zum Altenpfleger gemacht – nicht ahnend, dass ich irgendwann doch wieder im Büro landen würde.

Was schätzen Sie an der Arbeit im Sozialkontor?

Das Wichtigste war für mich immer der kollegiale Zusammenhalt. Wenn der nicht gegeben ist, bringt die Arbeit auch keinen Spaß. Das ist zwar auch im Sozialkontor nicht immer der Fall, aber insgesamt sehr ausgeprägt.

Wie sah Ihr Arbeitsalltag in den letzten Jahren aus?

Personalthemen wie Akquise, Vertragsgestaltung und Vergütungen spielen eine wichtige Rolle. Außerdem bin ich immer involviert, wenn irgendein Problem zu lösen ist, sei es rechtlich oder kommunikativ. Neben der Abteilungsleitung übernehme ich auch Aufgaben in der Geschäftsleitung, die über übliche Personalthemen hinausgehen.

Was hat Ihre Arbeit geprägt?

Mir war wichtig, eigene Ideen umzusetzen. Daraus ergab sich auch der Weg in die Betriebsratsarbeit. Für mich war das ein Ausdruck innerbetrieblicher Demokratie. Machtverhältnisse mitgestalten zu können, auch durch Gewerkschaftsarbeit. Dadurch tragen wir dazu bei, den Wert der Demokratie hochzuhalten. Für mich war aber auch klar, dass ich nicht dauerhaft Betriebsratsvorsitzender sein konnte und wollte, deshalb habe ich mich, mit großem Rückhalt meiner Familie, drei Jahre lang abends zum staatlich geprüften Betriebswirt weitergebildet und in den Personalbereich gewechselt. Viele sahen eher eine grundsätzliche Opposition zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Für mich war es so: Es gibt Gegensätze, die kriegt man nicht aus der Welt, sondern man versucht, Brücken zu schlagen.

Auf welche besonderen Verdienste blicken Sie zurück?  

Unser Tarifvertrag ist etwas, auf das ich stolz bin. Wir sind 2003 durch die Umfirmierung in die gGmbH aus dem bestehenden Tarifvertrag ausgestiegen. Das war aus meiner Sicht ein nicht gelungener Umstieg mit einem nicht gelungenen Ergebnis. Nach dem Wechsel in die Personalleitung habe ich es als meine Chance verstanden, gewisse Wunden zu heilen. Ende 2011 haben wir einen eigenen Tarifvertrag hinbekommen, der sich sehen lassen kann. Das war schwere Arbeit, aber es lag mir sehr am Herzen. Mein zweites großes Leitthema im Personalbereich ist die Weiterqualifizierung und gute Ausbildung. Es ist mir ein großes Anliegen, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die Auszubildenden nach dem Abschluss bei uns bleiben. Das ist uns in letzter Zeit mit vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch ganz gut gelungen.

Wie sieht Ihr Leben ohne das Sozialkontor aus?

Ein Ehrenamt im SNH werde ich mir nicht suchen, ich muss nicht anderen auf die Nerven gehen (schmunzelt). Jetzt im Februar ist unser sechstes Enkelkind geboren, es ist auch so immer etwas zu tun. Meine Frau ist schon in Rente, wir haben ein Haus und einen Garten. Und wenn ich doch mal Langeweile habe, melde ich mich im Kindergarten zum Vorlesen.

Was werden Sie am Sozialkontor am meisten vermissen?

Zuerst einmal bin ich froh, dass wir mit Frau Conradt eine gute Nachfolgerin für mich gefunden haben. Und dann habe ich ja einen gleitenden Übergang, da ich die Tarifverhandlungen gemeinsam mit dem Geschäftsführer Kay Nernheim begleite, damit wir gute Regelungen für 2024 finden. Das heißt, ich werde dem Unternehmen ab Mai bis Ende des Jahres noch einen bis zwei Tage die Woche zur Verfügung stehen. Aber dann ist auch Schluss.

 

Die Nachfolgerin

Karin Conradt

Sie wird zum 1. April 2023 beim Sozialkontor anfangen und nach einer Übergangszeit die Nachfolge von Herrn Renno antreten.