An manchen Tagen im vergangenen Jahr glich der Treffpunkt Wilhelmsburg einem echten Kunstatelier: Sechs Menschen malten, zeichneten und druckten während eines Kunstprojekts ihre eigenen Bilder, die anschließend im Treffpunkt ausgestellt wurden.
Zu Beginn des von der Aktion Mensch geförderten Projekts hatten alle ein Skizzenbuch erhalten. Eine Teilnehmerin nutzte dieses besonders intensiv zum Zeichnen, insbesondere in schlaflosen Nächten. Auch daraus entstanden beeindruckende Arbeiten, die Teil der Ausstellung wurden.
Auch andere Kursteilnehmende berichten von einem positiven Effekt der Kunst auf ihren Alltag: Eine Teilnehmerin schildert, wie ihr das Malen geholfen habe, wieder besser für sich selbst zu sorgen. Durch das kreative Arbeiten erlebe sie Momente im „Flow“, könne abschalten und positive Erfahrungen machen – jetzt hat sie sich sogar eigene Materialien angeschafft und beschäftigt sich auch außerhalb des Kurses weiterhin kreativ.
Sie sei zufällig auf das Angebot aufmerksam geworden, berichtet eine weitere Teilnehmerin: Beim Vorbeigehen am Treffpunkt in der Veringstraße habe sie von dem Kunstkurs erfahren und entschied sich spontan, den Kurs zu besuchen. Aus diesem ersten, unverbindlichen Ausprobieren entwickelte sich auch bei ihr eine Leidenschaft für das Malen, die sie noch immer begleitet.
Raus gehen, Motive suchen
Eine erfahrene Künstlerin leitete den Kurs und begleitete die Teilnehmenden mit viel Freude, Struktur und Offenheit. Gezielt setzte sie Impulse und vermittelte unterschiedliche kreative Methoden, die die Teilnehmenden immer wieder dazu inspirierten, eigene Ideen zu entwickeln. Dabei stand nicht das Ergebnis im Vordergrund, sondern der kreative Prozess.
Die angewandten Techniken waren genauso vielfältig wie die Impulse der kreativen Köpfe: Tröpfeln von Acrylfarbe auf Plexiglasscheiben, von denen anschließend Abdrücke genommen und zu Collagen weiterverarbeitet wurden, klassische Zeichnungen und experimentelle Ansätze mit Kohle oder das Auftragen von Farbe auf eine Bildseite, woraus durch Falten überraschende Farb- und Formstrukturen entstanden.
Für das letzte Treffen verließen die Kursteilnehmenden sogar ihr gewohntes Atelier und verlegten es nach draußen. Inspiriert durch ein Kunstbuch, in dem Farben bewusst unrealistisch eingesetzt wurden – etwa grüne Flüsse oder pinke Bäume –, begaben sich die Teilnehmenden gemeinsam in einen Park und setzten diese Eindrücke in eigenen Bildern um.
Vernissage als krönender Abschluss
Kein Wunder also, dass die Teilnehmenden ihre Kunstwerke auf der Vernissage der abschließenden Ausstellung stolz präsentierten und interessierten Besuche*rinnen die jeweiligen Entstehungsprozesse erklärten. Neben anderen Menschen, die die Angebote des Sozialkontors nutzen, besuchten auch Familienangehörige, ehemalige Mitarbeitende sowie weitere Interessierte die Ausstellung.
Das Kunstprojekt verdeutlicht: Leicht zugängliche, kreative Angebote sind wichtig und können sehr wirksam sein. Sie fördern nicht nur künstlerische Fähigkeiten, sondern stärken das Selbstbewusstsein, soziale Teilhabe und persönliche Fähigkeiten.
Wir danken der Aktion Mensch, die dieses Projekt mit einer Förderung möglich gemacht hat.




