Ein Schlüssel dreht sich im Schloss, im Flur miaut die Katze, aus der Küche kommt Kaffeeduft. Ute E.s Alltag in einer Wohn- und Assistenzgemeinschaft sieht nicht anders aus, als der vieler anderer Menschen. Und doch ist er besonders – geprägt von einem Schlaganfall, einer chronischen Erkrankung und von einem Unterstützungsangebot, das ihr Sicherheit gibt und zugleich ihre Selbstständigkeit stärkt.
Ute E. lebt seit gut einem Jahr in dem Angebot Wohnen mit Assistenz Hafentor des Sozialkontors in Hamburg, direkt bei den Landungsbrücken. Zuvor wohnte sie viele Jahre in ihrem eigenen Haus, war beruflich aktiv, zog drei Kinder groß. Ein Schlaganfall infolge einer seltenen Autoimmunerkrankung veränderte ihr Leben abrupt. Heute nutzt sie einen Rollstuhl, kann kurze Strecken wieder laufen, trainiert täglich Fähigkeiten, die für andere selbstverständlich erscheinen – und hat klare Ziele vor Augen.
Alltag zwischen Eigenständigkeit und Unterstützung
Der Alltag in der Wohn- und Assistenzgemeinschaft ist strukturiert, aber nicht fremdbestimmt. Ute E. steht morgens mit Unterstützung auf, erhält Hilfe bei der Körperpflege, beim Anziehen und bei der Medikamenteneinnahme. Diese pflegerischen Leistungen sind eng verzahnt mit der Eingliederungshilfe: Assistenzkräfte begleiten sie im Alltag, behalten ihre gesundheitliche Situation im Blick und sind ansprechbar, wenn Unsicherheit oder Überforderung auftreten.
Gleichzeitig übernehmen Ute E. und ihre Mitbewohnerin vieles selbst. Sie putzen ihre Wohnung, gehen einkaufen, kümmern sich um die gemeinsame Katze und kochen – allein oder gemeinsam. „Mir ist wichtig, so viel wie möglich selbst zu machen“, sagt sie. Das Sozialkontor bietet dafür den passenden Rahmen: eine eigene Wohnung, Rückzugsmöglichkeiten und dennoch jederzeit Unterstützung in erreichbarer Nähe.
Pflege und Eingliederungshilfe – Hand in Hand
In dem Wohn- und Assistenzangebot am Hafentor arbeiten Pflege und Eingliederungshilfe eng zusammen. Pflegekräfte übernehmen den überwiegenden Teil der körperbezogene Tätigkeiten, Assistenzkräfte unterstützen darüber hinaus bei Alltagsorganisation, Kommunikation, Orientierung und Teilhabe. Einer von ihnen ist Matthias Hinsch, Bezugsbetreuer von Ute E..
„Unsere Aufgabe ist es nicht, Dinge abzunehmen, sondern gemeinsam Wege zu finden“, sagt er. „Ute E. bringt sehr viel Eigeninitiative mit. Wir schauen zusammen, was sie selbstständig umsetzen kann – und wo Unterstützung sinnvoll und notwendig ist.“
Gerade nach Stürzen oder bei plötzlichen Einschränkungen ist diese Nähe wichtig. Die Mitarbeitenden reagieren, beraten, organisieren Hilfsmittel oder therapeutische Unterstützung. Physiotherapie und Ergotherapie finden teilweise direkt im Haus statt – kurze Wege, feste Bezugspersonen, vertraute Abläufe.
Pädagogische Assistenz: Ziele entwickeln mit MeinNavi
Ein zentrales Element der Assistenz im Sozialkontor ist die pädagogische Begleitung, unter anderem mithilfe des Assistenzplanungstools MeinNavi. Gemeinsam mit den Assistenzkräften arbeitet Ute E. an persönlichen Zielen. Ihr größter Wunsch: ihr Studium der Medizintechnik abzuschließen.
„MeinNavi hilft dabei, auch große Ziele greifbar zu machen“, erklärt die Leitung von Wohnen mit Assistenz Hafentor, Stephanie Wiebeck. „Wir übersetzen sie in kleine, realistische Schritte und überprüfen regelmäßig, was gerade möglich ist.“ Dabei gehe es nicht nur um Organisation, sondern auch um Motivation, Selbstvertrauen und Perspektiven.
Neben langfristigen Zielen stehen auch ganz praktische Fragen im Fokus: sichere Mobilität, Orientierung im Stadtteil oder die Planung von Terminen. Teilhabe bedeutet hier nicht Anpassung an starre Strukturen, sondern individuelle Unterstützung auf Augenhöhe.
Wohnen mitten im Leben
Das Hafentor liegt zentral, gut angebunden, mitten an den Landungsbrücken am Hamburger Hafen. Einkaufsmöglichkeiten, Ärzt*innen, Bars, Cafés – alles ist in der Nähe. Das ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts: „Wohnen mit Assistenz soll kein Rückzugsort sein, sondern ein Zuhause im Sozialraum“, betont Stephanie Wiebeck.
Für Ute E. ist das Wohnen mit Assistenz kein Endpunkt, sondern eine Etappe. „Ich möchte irgendwann wieder in meinem eigenen Zuhause leben“, sagt sie. Ob und wann das möglich ist, wird die Zukunft zeigen. Das Sozialkontor begleitet sie auf diesem Weg – mit professioneller Pflege, verlässlicher Assistenz und engagierten Mitarbeitenden wie Stephanie Wiebeck und Matthias Hinsch, die an die Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen glauben.
*Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte verzichten wir in einigen Fällen auf die vollständige Nennung von Nachnamen.



