Tanja Drusell, Sozial- und Sexualpädagogin sowie Multiplikatorin für sexuelle Bildung und Gewaltprävention im Sozialkontor, beschreibt professionelle Distanz nicht abstrakt, sondern ganz konkret im Arbeitsalltag. Ein wichtiger Punkt ist bereits dieArt der Ansprache: „Die grundlegendste Basis ist tatsächlich, dass wir uns siezen“, sagt sie. Das schaffe zunächst eine klare Rollenverteilung – auch wenn die Menschen mit Unterstützungsbedarf später selbst das Du anbieten können.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist der Umgang mit privaten Kontakten. Tanja Drusell rät davon ab, berufliche und private Ebenen zu vermischen: Gemeinsame Freizeitaktivitäten wie „nach Feierabend noch etwas trinken gehen“ oder private Treffen seien problematisch, weil die professionelle Beziehung dadurch nicht einfach endet.
Auch im digitalen Alltag gilt diese Grenze: „Private Daten auszutauschen, über WhatsApp zu schreiben oder in sozialen Netzwerken befreundet zu sein – das ist nicht professionell“, so Drusell.
Darüber hinaus empfiehlt sie, Unsicherheiten offen anzusprechen: Wenn Mitarbeitende nicht sicher sind, ob etwas angemessen ist – etwa ein gemeinsamer Kinobesuch – sollten sie Rücksprache im Team oder mit Leitungskräften halten, statt allein zu entscheiden.
Und schließlich geht es auch um Haltung: Sich immer wieder bewusst zu machen, welche Rolle man hat – nämlich die einer unterstützenden Fachkraft und nicht die einer Freundin oder eines Freundes. Genau diese Klarheit sei die Grundlage für einen respektvollen und sicheren Umgang.
Das Aufmacherfoto ist ein Symbolbild. Es zeigt eine alltägliche Situation in einem Wohnangebot, in dem Menschen mit komplexen Behinderungen professionelle Unterstützung erhalten.
Das zweite Foto zeigt Tanja Drusell, Sozial- und Sexualpädagogin sowie Multiplikatorin für sexuelle Bildung und Gewaltprävention im Sozialkontor.

