Luisa ist 22, lebt in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung und ist neugierig auf das Leben. Sie geht auf Partys, flirtet, probiert sich aus. Doch plötzlich verändert sich etwas. Luisa wird stiller. Als schließlich bekannt wird, dass sie schwanger ist, beginnt eine Suche nach Antworten – und der Verdacht steht im Raum, dass es sich um sexuellen Missbrauch durch einen Mitarbeiter der Einrichtung handeln könnte.
Das Drama „Luisa“ ist kein leichter Stoff – aber ein wichtiger. Der Kinostart ist am 23. April 2026. Der Film rückt ein Thema in den Fokus, das selten sichtbar ist: Gewalt und Grenzverletzungen gegenüber Menschen mit Behinderung. Dabei bleibt die Geschichte nah an ihrer Hauptfigur und zeigt gleichzeitig die Strukturen, in denen sie lebt – eine Wohngruppe, die Schutz bieten soll, aber auch Risiken birgt.
Arbeiten in der Eingliederungshilfe: Zwischen Nähe und Distanz
Was „Luisa“ besonders macht: Der Film erzählt nicht nur eine individuelle Geschichte, sondern stellt grundsätzliche Fragen. Wie viel Nähe ist im Alltag von Assistenzeinrichtungen gut – und wo beginnt sie problematisch zu werden? Gerade in Wohnformen, die bewusst familiär gestaltet sind, können Grenzen verschwimmen.
Tanja Drusell, Sozial- und Sexualpädagogin sowie Multiplikatorin für sexuelle Bildung und Gewaltprävention im Sozialkontor, bringt es so auf den Punkt: „Wir stellen uns das Leben in einer Wohngruppe oft sehr eng und familiär vor. Aber wir als Mitarbeitende müssen uns immer wieder klar machen: Das ist unser Arbeitsplatz und nicht unsere Familie.“
Diese Unterscheidung ist zentral. Nähe gehört zum Alltag in der Eingliederungshilfe, gleichzeitig braucht es klare Grenzen. „Wir müssen uns bewusst sein, dass wir in diesen institutionellen Verhältnissen die Macht haben – und dieses Machtverhältnis stets kritisch reflektieren“, sagt Tanja Drusell.
Warum sich der Film „Luisa“ lohnt
„Luisa“ basiert auf intensiver Recherche in Einrichtungen und verbindet eine persönliche Geschichte mit gesellschaftlicher Relevanz. Die Macherinnen zeigen nicht nur Einzelschicksale, sondern auch Strukturen, die Grenzverletzungen begünstigen können.
Für Tanja Drusell ist genau das entscheidend: „Ich finde wichtig, dass ein Thema angesprochen wird, das in der Gesellschaft nicht sehr oft behandelt wird.“
Der Film macht sichtbar, was häufig ausgeblendet wird – und kann helfen, darüber ins Gespräch zu kommen. Denn noch immer wird Sexualität von Menschen mit Behinderung oft tabuisiert. „Menschen mit Einschränkungen haben eine Sexualität – und sie sollen und dürfen sie auch leben“, sagt Tanja Drusell.
„Luisa“: Ein Film, der Gespräche auslöst
Im Sozialkontor wird genau an diesen Themen gearbeitet: mit einem Gewaltschutzkonzept, Schulungen für Mitarbeitende und Angeboten zur sexuellen Bildung. Ein zentraler Ansatz dabei ist, aufmerksam zu sein und Unsicherheiten offen anzusprechen.
Filme wie „Luisa“ können diesen Prozess unterstützen. Sie holen Themen aus der Tabuzone und machen sie besprechbar – auch dort, wo es schwerfällt. Deshalb kann sich Tanja Drusell gut vorstellen, den Film künftig auch in der Bildungsarbeit einzusetzen: „Ich wünsche mir, dass der Film einen Anstoß zum Denken gibt und dass darüber gesprochen wird.“
„Luisa“ liefert keine einfachen Antworten. Aber genau das macht ihn sehenswert: Der Film stellt Fragen, die bleiben – und die man nicht allein lassen sollte.
In Hamburg startet „Luisa“ bereits am 22. April mit einer Premiere im Alabama Kino. Ab dem 23. April ist der Film regulär im Kino zu sehen – zunächst vor allem in Programmkinos.
Erste Vorstellungen sind ebenfalls im Alabama Kino geplant, außerdem zeigt das Abaton Kino den Film.
Foto (Filmbild): Daniel Pilar
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