Ein weißer Transporter fährt auf den Hof. Auf den Türen leuchten Regenbogenfarben, daneben steht groß „Pride Tour“. Wenig später werden Tische aufgebaut, Siebdruckrahmen ausgepackt und erste Buttons gestaltet. Mitarbeitende, Menschen, die Unterstützung vom Sozialkontor erhalten, und Interessierte kommen ins Gespräch: über Vielfalt, über persönliche Erfahrungen – und darüber, wie unterschiedlich Menschen leben und lieben. Genau solche Begegnungen möchte die AG Diversity des Sozialkontors im Sommer 2026 mit ihren Aktionen möglich machen.
Das Sozialkontor unterstützt Menschen mit Behinderungen und Menschen mit psychischen Erkrankungen im Alltag, beim Wohnen und in der Freizeit. Die AG Diversity wurde Anfang 2026 gegründet. Zwölf Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen und Positionen arbeiten seitdem gemeinsam daran, im Unternehmen für Vielfalt und Akzeptanz zu sensibilisieren. Was zunächst als interne Initiative begann, entwickelt sich inzwischen zu einer großen standortübergreifenden Aktion.
Die Aktionen sollen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Vielfalt als selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags und des Zusammenlebens sichtbar zu machen. Die AG versteht Diversity dabei nicht als kurzfristigen Trend, sondern als Haltung: gegen Diskriminierung und für eine offene, respektvolle Gemeinschaft.
Pride Tour: Vielfalt direkt vor Ort
Herzstück der Aktionen ist die „Pride Tour“, die im Sommer 2026 mehrere Einrichtungen des Sozialkontors in Hamburg und im Landkreis Harburg besucht. Mit einem eigens gestalteten Pride-Fahrzeug fahren Mitglieder der AG zum Senator-Neumann-Haus in Bergstedt, ins Hilda-Heinemann-Haus in Farmsen-Berne, zum Treffpunkt Kirchdorf-Süd in Wilhelmsburg, ins Haus Beerboom in Groß Borstel und ins Haus Eckel in Buchholz in der Nordheide.
Vor Ort entstehen kleine Aktionsflächen mit Mitmachangeboten und Raum für Gespräche. Geplant sind kreative Aktionen wie Siebdruck und das Gestalten eigener Buttons. Gleichzeitig geht es um persönliche Perspektiven: um Zugehörigkeit, Respekt und die Frage, wie ein gutes Zusammenleben gelingen kann.
Die AG setzt dabei bewusst nicht nur auf klassische Informationsangebote. Stattdessen sollen konkrete Begegnungen entstehen: Menschen, die gemeinsam etwas gestalten, miteinander lachen, diskutieren oder sich vielleicht zum ersten Mal mit Themen wie sexueller und geschlechtlicher Identität auseinandersetzen. Viele Angebote sind niedrigschwellig angelegt und richten sich ausdrücklich an alle Nutzer*innen der Sozialkontor-Angebote.
Flaggen, Gespräche und kreative Aktionen
Bereits im Vorfeld der Pride Tour verschickt die AG sogenannte Diversity-Startersets an die rund 40 Standorte des Unternehmens. Enthalten sind unter anderem Regenbogenflaggen, Informationsmaterialien, Gesprächsimpulse – etwa ein selbst gestaltetes Diversity-Würfelspiel – sowie kreative Materialien wie Aufkleber, Samenkonfetti und temporäre Tattoos.
Zusätzlich beteiligt sich das Sozialkontor an der Hamburger Beflaggungsaktion zur Pride Week. Einrichtungen sind eingeladen, sichtbar Regenbogenflaggen zu zeigen und Fotos ihrer Aktionen einzusenden. Außerdem ruft die AG Diversity Mitarbeitende und Menschen mit Unterstützungsbedarf zur gemeinsamen Teilnahme an der CSD-Demonstration in Hamburg am 1. August 2026 auf.
„Wir als Sozialkontor müssen uns da präsentieren, müssen dabei sein und zeigen, was für viele verschiedene Nuancen in unserem Betrieb existieren“, sagt Vero Fischer, Betriebsratsvorsitzende des Sozialkontors und Mitglied der AG Diversity. Für sie steht fest: Vielfalt dürfe nicht nur ein Schlagwort bleiben, sondern müsse im Alltag sichtbar und erlebbar werden.
Auch Sarah Bartsch, Leitung der Schulischen Ganztagsbetreuung im Sozialkontor und Mitglied der AG Diversity, sieht gerade in den unterschiedlichen Perspektiven innerhalb der Gruppe eine besondere Stärke: „Mir ist wichtig, dass wir respektvoll miteinander arbeiten und Vielfalt als Menschenrecht behandeln.“ Dass Menschen aus verschiedenen Arbeitsfeldern ihre Erfahrungen einbringen, ermögliche oft erst neue Blickwinkel und Gespräche.
Persönliche Perspektiven auf Diversity
Wie viel die AG Diversity in kurzer Zeit bereits angestoßen hat, überrascht auch Menschen, die später dazugestoßen sind. André Conradi, der im Beschäftigungsangebot Café Ole im Hilda-Heinemann-Haus des Sozialkontors arbeitet, sagt: „Ehrlich gesagt bin ich davon ausgegangen, dass die AG noch in einer frühen Aufbauphase ist – umso beeindruckter bin ich, wie viel ihr bereits angestoßen und umgesetzt habt. Chapeau!“
Sein persönlicher Blick auf Vielfalt ist dabei bewusst alltagsnah: „Für mich sind wir alle wie ein bunter Obstsalat – jeder bringt eigene, besondere Zutaten mit. Zusammen entsteht etwas, das viel spannender ist als die einzelnen Teile für sich. Es geht nicht darum, gleich zu sein, sondern Unterschiede wertzuschätzen und daraus gemeinsam etwas Starkes zu machen.“
Auch für Merian Bartsch, Sozialarbeiterin im Treffpunkt Hamburg Mitte und Mitglied der AG Diversity, steht der gegenseitige Austausch im Mittelpunkt: „Mir ist ein diskriminierungssensibles Umfeld wichtig, in dem sich alle wohlfühlen und Vielfalt als etwas wertgeschätzt wird, bei dem wir voneinander lernen können.“
Mehr als eine einmalige Aktion
Die Aktionen rund um die Pride Week sind für die AG Diversity deshalb mehr als eine einzelne Kampagne. Ziel ist es, langfristig Räume für Begegnung zu schaffen und Vielfalt im Alltag selbstverständlich mitzudenken – sichtbar, offen und gemeinsam gestaltet.


